// Festivalbericht: 2 Tage Traumzeit in Duisburg!


 














Immer noch beflügelt denken wir an das Traumzeit-Festival in Duisburg zurück. Beflügelt aufgrund so viel unterscheidlicher, emotionaler und unterhaltsamer Musik und beeindruckt von einer Kulisse, die einfach mal einzigartig in der Festivallandschaft ist. Was müssen internationale Acts denken, wenn sie in Duisburg ankommen und vor diesem riesigen Stahl-Konstrukt stehen? Sind sie neugierig? Interessiert was hier vor Jahren produziert wurde? Warum ausgerechnet dieser Ort zu einer Musik-Oase wurde?

Wenn sie sich diese Fragen stellen, stehen sie mitten im Duisburger Landschaftspark-Nord. Hier findet jedes Jahr das Traumzeit Festival statt - " das Festival am Hochofen"!

Zunächst ein Blick auf die Infrastruktur:

Das Gelände des Landschaftspark-Nord. Festivalbesucher können sich hier frei bewegen, auf die Anlagen steigen und die wunderbare Aussicht über das gesamte Ruhrgebiet genießen.
Insgesamt gibt es vier Bühnen, die allesamt an oder in das Areal des ehemaligen Stahl-Werks platziert wurden. Ob Kraftzentrale, Giesshalle, Bühne am Gasometer oder Gebläsehalle: Jede der vier Areas hat was sehr eigenes und wird unterschiedlich eingesetzt, um die jeweilige Band oder die Künstler eindrucksvoll in Szene zu setzen.

Die Holländischen Indie-Rock Band Kensington in der Geisshalle.
Geisshalle: Der Festvialsamstag begann u.a. mit dem Konzert von Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi.


Das Line-Up des Festivals liest sich sehr gut. Immer Indie, aber das in vielen verschiedenen Stilrichtungen: Alternative Popmusik von Sophie Hunger trifft auf Soul von Benjamine Clementine oder deutschsprachigen Songwriter-Pop von Niels Frevert. Auch tiefgründiger Hip Hop hat hier seinen Platz: Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi oder OK Kid waren Gäste des Traumzeit 2015.

Mit der Band We Were Promised Jetpaks macht wohl kein Veranstalter was falsch.
Benjamin Clementine in der Gebläsehalle. Eine Bühne für die ruhigen, intimen Konzerte. Ein wunderbarer Ort!
Niels Frevert und Band versorgte Fans deutschsprachiger Popmusik mit seinen Liedern.
Das Festival bietet nebem dem 3-Tage-Ticket auch die Möglichkeit 1-Day-Tickets zu erwerben. Laut Festival-Veranstalter Frank Jebavy sind insgesamt rund 4.000 Tickets über den Ladentisch gegangen. Das sei ein Erfolg und das Traumzeit-Team zufrieden. Das mutige Konzept, auch viele unbekannte und regionale Acts nach Duisburg zu holen, erneut aufgegangen. Laut Veranstalter wurde auch die Möglichkeit des Campings häufiger in Anspruch genommen als im Vorjahr. Rund 200 Camper versammelten sich auf dem hinter einem Hang gelegenen Platz in unmittelbarer Nähe zum Festivalgelände (ca. 3 Minuten Fußweg). Empfehlenswert!

Der Campingplatz liegt hinter dem Stahl-Werk im Grünen.
Laut Frank Jebavy ist es das Ziel der Organisatoren noch mehr 3-Tages-Tickets unter das Volk zu bringen. Die doch eher geringe Anzahl an Camper und die allgemeine Atmosphäre spricht eher für spontane Ticketkäufe, die für einen oder zwei Tage gelten. Das Festival war längst nicht ausverkauft und hat sicherlich Platz für doppelt so viele Festivalbesucher.

Hier spielt Leslie Clio. Die Giesshalle war zunächst maximal zur Hälfte gefüllt und erst spät war die Nachfrage etwas größer. Eine in goldenen Pöms merkwüdig daher tanzende Funky-Plastik-Pop-Perle passte irgendwie nicht ganz in das sonst eher tiefgründige  Line-Up. Sprüche wie "Duisburg seid ihr gut drauf" kommen hier nicht ganz so gut an. Ausrutscher.

Das Festivalgelände selbst ist für Jedermann zugänglich. Man kommt ohne Bändchen bis vor die Bühnen und davon profitiert vor allem stark die Gastronomie. Der Landschaftspark ist ein beliebtes Ausflugsziel am Wochenende. Hinzu kommt, dass es eine Umsonst & Draußen Bühne gibt. So entsteht eine ausgewogene Mischung aus Festivalbesuchern, Familien mit Kindern und weiteren Interessierten. Und wer jetzt denkt hier spielen nur die kleinen, lokalen Acts, der irrt sich. Die Bühne wird laut Marcus Kalbitzer, der für das Booking des Traumzeit verantwortlich ist, bewusst gleichgestellt zu den anderen Bühnen eingesetzt. Das sei einerseits für die allgemeine Atmosphäre des Festivals wichtig und außerdem gibt es schlicht und einfach Bands, die hier am besten aufgehoben sind. Doch klar ist auch: Viele Besucher sind ohne Ticket vor Ort. Sie schauen sich die Konzerte mal mehr, mal weniger aufmerksam an, trinken ihr Bier und vergnügen sich an den zahlreichen Imbiss-Buden. Das sorgt dafür, dass beständig viele Leute vor Ort sind, aber gleichzeit für Stadtfest-Atmosphäre und drückt ein wenig auf die freigeistige Festivlstimmung, die nur ab und an in der Luft liegt. Das Traumzeit glänzt ein wenig anders. Nicht durch Festival-Klischees und Flower-Power-Romantik. Es überzeugt vor allem durch ein anspruchsvolles Line-Up zwischen etablierten Indie-Größen, angesagten Newcommer-Bands und regionalen Künstlern. Es überzeugt mit einer grandiosen Kulisse, die wohl einzigartig in der deutschen Festival-Landschaft ist. Für eine Stadt wie Duisburg ein absolutes Highlight und bereichernd für das gesamte Ruhrgebiet! 
 
Highlight zum Schluss: Brandt Brauer Frick Ensemble

  Bis zum nächsten Jahr!!
 


Fotos: Stephan Bartsch, Malte Langer